Sehr geehrtes Publikum,
in diesem Jahr stellen wir Ihnen im ersten Teil
unseres Konzertes musikalisch eine Symphonie
der Programmmusik von Alex Poelman dar.
Im weiteren Teil werden Sie neben einem
Deutschen Komponisten auch ein Werk ausschliesslich
für Blechblasinstrumente (Brass
Band) hören.
Lassen Sie mich Ihnen ein paar Worte über
die Bedeutung der Sinfonie zukommen:
Sinfonie wird seit dem 15. Jahrhundert als
Bezeichnung für Orchesterstücke verwendet,
jedoch zunächst nur für Ouvertüren (sinfonia),
Zwischenaktmusiken in Opern usw.
Die Sinfonie erhielt erst durch Haydn und
Mozart die klassische Form mit insgesamt vier
Sätzen und gehört seither zu den bedeutendsten
Gattungen der Instrumentalmusik. Die
Satzfolge lautet seit dem 18. Jh. in der Regel:
Schnell (meist allegro), Langsam (adagio, andante),
Menuett (bzw. Scherzo) und Finale
(allegro oder sogar presto).
Dem ersten Satz, der seit Haydn immer in der
Form des Sonatenhauptsatzes gebaut ist, geht
oft eine langsame Einleitung voraus (z.B. »Haydn Nr. 104 D-Dur«; »Beethoven Nr. 4 BDur «). Dem dritten Satz wurde Anfang des 19.
Jh.s von L. van Beethoven durch Austauschen
des Menuetts durch das Scherzo mehr Gewicht
gegeben, und das Finale gewann im Gesamtaufbau
an Bedeutung.
Bei Haydn und Mozart sind vor allem erster
und zweiter Satz von tragendem Gewicht, Menuett
und Finale dagegen schließen die Sinfonie
im Sinne klassischer Ausgeglichenheit ab,
haben oft den Charakter eines Divertimentos
oder einer Serenade. Die Schlusssätze von »Mozarts g-moll oder C-Dur Sinfonie (Jupiter)«
nehmen extreme Standpunkte innerhalb des
klassischen Ideals ein, bewahren aber ihren
Ausdruck im rein Musikalischen.
Beethoven dagegen zielt zunehmend auf außermusikalische
Wirkungsebenen ab. Der Schritt,
im vierten Satz der »Neunten« Schillers »Ode
an die Freude« von Gesangssolisten und Chor
singen zu lassen, wurde von R. Wagner als
Ausgangspunkt auf dem Weg zum Musikdrama
verstanden, das somit die Sinfonie vollständig
ablösen müsse.
A. Bruckner erweiterte die sinfonische Form
unter Wahrung ihrer Geschlossenheit ins Monumentale.
H. Berlioz wandelte die klassische
Sinfonie zur Programmsinfonie. Ihm folgten
einerseits F. Liszt, der die meist einsätzige
sinfonische Dichtung schuf, andererseits die
am traditionellen Aufbau festhaltenden französischen
Meister C. Saint-Saëns, C. Franck
und die der nationalen Schulen A. Borodin,
P. Tschaikowsky.
Alle Entwicklungstendenzen der Sinfonie treffen
im vielgestaltigen Werk G. Mahlers zusammen.
Nach Mahler verlor die Sinfonie ihre vorrangige
Stellung im Bereich der Orchesterkomposition.
Dennoch entstanden auch im 19. Jh. Sinfonien,
und bis in die Gegenwart gelingt es immer
wieder Komponisten, der sinfonischen Form
Neues abzugewinnen. An der Schwelle zur
Moderne schuf Gustav Mahler seine Sinfonien,
deren Blick kritisch auf die eigene Form
gerichtet ist.
Im 20. Jh. bereicherten unter anderem Dimitri
Schostakowitsch und Igor Strawinsky die
Gattung.
Im frühen 20. und 21. Jahrhundert wurden
dann auch Sinfonien für Blasorchester geschrieben.
»Die sieben Weltwunder«
In seiner ersten Sinfonie für Sinfonisches Blasorchester »The Seven Wonders of the Ancient
World« schildert der junge niederländische
Komponist Alex Poelman ein musikalisches
Porträt von diesen sieben prächtigen menschlichen
Realisierungen die alle, bis auf eine, zerstört
wurden und verschwunden sind.
Am 28. Mai 2004 wurde diese Sinfonie in
Enschede uraufgeführt. Ein Jahr später, wurde
sie vom neuen niederländischen Militärorchester
KMKJWF, unter der Leitung von Norbert
Nozy, auf CD eingespielt.
Die Sinfonie ist meisterhaft und ganz farbenreich
orchestriert und bildet nicht nur die große
Macht der Herrscher der Antike aus, sondern
auch die Pracht der schönsten Gebäude und
Kunstwerke dieser Epoche. Ebensowenig fehlen
die verführende orientalische Charme und die
geheimnissvolle exotische Atmosphäre.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes und
ansprechendes Konzert.
Ihr Rüdiger Müller
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