Jahreskonzert 2008

Vorwort des Dirigenten

Sehr geehrtes Publikum,

in diesem Jahr stellen wir Ihnen im ersten Teil unseres Konzertes musikalisch eine Symphonie der Programmmusik von Alex Poelman dar.
Im weiteren Teil werden Sie neben einem Deutschen Komponisten auch ein Werk ausschliesslich für Blechblasinstrumente (Brass Band) hören.
Lassen Sie mich Ihnen ein paar Worte über die Bedeutung der Sinfonie zukommen:
Sinfonie wird seit dem 15. Jahrhundert als Bezeichnung für Orchesterstücke verwendet,
jedoch zunächst nur für Ouvertüren (sinfonia), Zwischenaktmusiken in Opern usw.
Die Sinfonie erhielt erst durch Haydn und Mozart die klassische Form mit insgesamt vier
Sätzen und gehört seither zu den bedeutendsten Gattungen der Instrumentalmusik. Die
Satzfolge lautet seit dem 18. Jh. in der Regel: Schnell (meist allegro), Langsam (adagio, andante), Menuett (bzw. Scherzo) und Finale (allegro oder sogar presto).
Dem ersten Satz, der seit Haydn immer in der Form des Sonatenhauptsatzes gebaut ist, geht oft eine langsame Einleitung voraus (z.B. »Haydn Nr. 104 D-Dur«; »Beethoven Nr. 4 BDur «). Dem dritten Satz wurde Anfang des 19. Jh.s von L. van Beethoven durch Austauschen des Menuetts durch das Scherzo mehr Gewicht gegeben, und das Finale gewann im Gesamtaufbau an Bedeutung.
Bei Haydn und Mozart sind vor allem erster und zweiter Satz von tragendem Gewicht, Menuett und Finale dagegen schließen die Sinfonie im Sinne klassischer Ausgeglichenheit ab, haben oft den Charakter eines Divertimentos oder einer Serenade. Die Schlusssätze von »Mozarts g-moll oder C-Dur Sinfonie (Jupiter)« nehmen extreme Standpunkte innerhalb des klassischen Ideals ein, bewahren aber ihren Ausdruck im rein Musikalischen.
Beethoven dagegen zielt zunehmend auf außermusikalische Wirkungsebenen ab. Der Schritt, im vierten Satz der »Neunten« Schillers »Ode an die Freude« von Gesangssolisten und Chor singen zu lassen, wurde von R. Wagner als Ausgangspunkt auf dem Weg zum Musikdrama verstanden, das somit die Sinfonie vollständig ablösen müsse.
A. Bruckner erweiterte die sinfonische Form unter Wahrung ihrer Geschlossenheit ins Monumentale. H. Berlioz wandelte die klassische Sinfonie zur Programmsinfonie. Ihm folgten einerseits F. Liszt, der die meist einsätzige sinfonische Dichtung schuf, andererseits die am traditionellen Aufbau festhaltenden französischen Meister C. Saint-Saëns, C. Franck und die der nationalen Schulen A. Borodin, P. Tschaikowsky.
Alle Entwicklungstendenzen der Sinfonie treffen im vielgestaltigen Werk G. Mahlers zusammen. Nach Mahler verlor die Sinfonie ihre vorrangige Stellung im Bereich der Orchesterkomposition. Dennoch entstanden auch im 19. Jh. Sinfonien, und bis in die Gegenwart gelingt es immer wieder Komponisten, der sinfonischen Form Neues abzugewinnen. An der Schwelle zur Moderne schuf Gustav Mahler seine Sinfonien,
deren Blick kritisch auf die eigene Form gerichtet ist.
Im 20. Jh. bereicherten unter anderem Dimitri Schostakowitsch und Igor Strawinsky die Gattung.
Im frühen 20. und 21. Jahrhundert wurden dann auch Sinfonien für Blasorchester geschrieben.

»Die sieben Weltwunder«
In seiner ersten Sinfonie für Sinfonisches Blasorchester »The Seven Wonders of the Ancient World« schildert der junge niederländische Komponist Alex Poelman ein musikalisches Porträt von diesen sieben prächtigen menschlichen Realisierungen die alle, bis auf eine, zerstört wurden und verschwunden sind.
Am 28. Mai 2004 wurde diese Sinfonie in Enschede uraufgeführt. Ein Jahr später, wurde sie vom neuen niederländischen Militärorchester KMKJWF, unter der Leitung von Norbert Nozy, auf CD eingespielt.
Die Sinfonie ist meisterhaft und ganz farbenreich orchestriert und bildet nicht nur die große Macht der Herrscher der Antike aus, sondern auch die Pracht der schönsten Gebäude und Kunstwerke dieser Epoche. Ebensowenig fehlen die verführende orientalische Charme und die geheimnissvolle exotische Atmosphäre.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes und ansprechendes Konzert.

Ihr Rüdiger Müller

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Infos zum Konzert

Anzahl Musiker:

Premieren:

Moderation:

Konzert und Kunst:

Harmonie Niederschopfheim e.V.
letzte Aktualisierung: 07.02.2020
Musikverein Harmonie Niederschopfheim e.V.
Programmheft Jahreskonzert 2008