Jahreskonzert 2017 - INTERVIEW

mit PABLO MONTES

Guten Tag Herr Montes,
Sie sind unser diesjähriger Solist und führen gemeinsam mit uns Herbert Marinkovits‘ Werk Mountain Maple Rhapsody auf.

Würden Sie uns erzählen, wie Sie auf unser Orchester gestoßen sind und was Sie motivierte, die Reise nach Deutschland anzutreten?
Ich hörte zum ersten Mal durch Rüdiger Müller von dem Orchester. Er war letztes Jahr in Kanada und wir haben gemeinsam an einem Projekt gearbeitet. Rüdiger hat mir von der musikalischen Qualität des Orchesters und von der besonderen Atmosphäre an den Konzerten vorgeschwärmt. Seine Begeisterung hat sich relativ schnell auf mich übertragen und ich habe mich dazu entschieden, mit dem Blasorchester Niederschopfheim aufzutreten – auch weil es eine tolle Gelegenheit ist, mit einem internationalen Orchester zu spielen.

FagottSie und das Blasorchester sind nicht nur durch Rüdiger Müller miteinander verbunden. Die Musiker und Sie verbindet auch die Liebe zur Musik. Was bedeutet Musik für Sie?
Einen Solisten und das Orchester verbinden zunächst einmal immer die Musikalität und das musische Können. Wenn beides im Einklang ist, entsteht eine fließende Energie, die sich auch auf die Zuhörer überträgt. Für mich persönlich bedeutet Musik mein Leben. Ich bin schon seit fast zwanzig Jahren musikalisch aktiv und die Musik ist ein Teil von mir und meinem alltäglichen Tagesablauf geworden. Ich höre Musik, spiele Fagott und beschäftige mich mit der Komposition eines musikalischen Werkes wann immer ich die Zeit dazu finde.

Wenn man sich so intensiv mit Musik beschäftigt wie Sie, hat man bestimmt ein musikalisches Stück, das einem besonders am Herzen liegt. Würden Sie uns Ihr Lieblingswerk verraten?
Gerne. Mein Lieblingswerk ist die Firebird Suite von Igor Stravinsky. Das Stück enthält ein Fagottsolo, das so wunderschön geschrieben ist und mich immer wieder fasziniert. Hören Sie sich das Werk an, dann werden Sie verstehen, warum man es sich immer und immer wieder anhören möchte. Wenn ich es mir recht überlege, werde ich es mir gleich selbst noch einmal anhören.

Wie wir durch Ihre Biografie erfahren konnten, haben Sie schon zahlreiche Konzerte mit vielen bekannten Musikern und Dirigenten gespielt. Gibt es einen Auftritt, der für Sie besonders herausragt und an den Sie sich gerne wieder zurückerinnern?
Zu meinen Lieblingskonzerten zählen alle Auftritte mit dem weltberühmten Dirigenten Gustavo Dudamel, der auch aus Venezuela stammt. Für mich fühlt es sich so natürlich an unter seiner Leitung zu spielen – ganz egal um welche Stücke es sich handelt.

Sie stammen ursprünglich aus Venezuela, leben jetzt aber in Kanada. Sicherlich gibt es viele kulturelle Unterschiede zwischen den beiden Ländern, mit denen Sie im alltäglichen Leben konfrontiert werden. Bemerken Sie auch unterschiedliche Traditionen oder Herangehensweisen was Musik im Allgemeinen oder den Status von Musik angeht?
Ja, da gibt es einige Unterschiede. In Venezuela wird der klassischen Musik eine ganz besondere Bedeutung zugeschrieben. Durch ein staatlich gefördertes Programm namens El Sistema wird es vor allem sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen ermöglicht, eine musikalische Ausbildung zu durchlaufen und somit eine Perspektive in ihrem Leben zu finden. Deshalb erkennt in Venezuela jeder Mensch auf der Straße Beethovens 9. Sinfonie oder Tschaikowskis Ouvertüre 1812. Ich bin in diesem Programm aufgewachsen und meine Heimat wurde durch diese Initiative enorm geprägt. In Kanada gibt es auch Programme zur musikalischen Förderung, aber sie sind nicht so sehr mit einem Gefühl von Nationalität verbunden und werden eher als Freizeitbeschäftigung angesehen. In den kanadischen Schulen wird der Fokus mehr auf die Naturwissenschaften gelegt und leider nicht so sehr auf die künstlerischen Fächer wie Musik. Das finde ich sehr schade. Durch diese naturwissenschaftliche Prägung ist es manchen Eltern hier einfach nicht wichtig genug, dass ihre Kinder eine musikalische oder künstlerische Ausbildung erhalten.

Durch das Programm El Sistema haben Sie also Ihren Zugang zur Musik gefunden. Ihre Instrumentenwahl fiel auf das Fagott – ein weiterer Punkt, der Sie mit unserem Dirigenten Rüdiger Müller verbindet. Warum haben Sie das Fagott ausgewählt?
Ich habe mich für das Fagott entschieden, weil ich etwas anderes spielen wollte als alle meine Klassenkameraden und Freunde. Ich konnte es mir damals nicht leisten mein eigenes Instrument zu kaufen und meine Schule hatte auch kein Fagott in ihrem Bestand. Deshalb musste ich zwei Jahre warten, bis ich anfangen konnte Fagott zu lernen. Damals war ich zehn Jahre alt.

Gibt es neben der Musik noch andere Beschäftigungen, denen Sie in Ihrer Freizeit gerne nachgehen?
Meine Freizeit ist gar nicht so „frei” wie es bei den meisten Menschen üblich ist. Ich bin ein ausgebildeter Koch und neben der Musik leite ich eine kleine Pizzeria in der Nähe meines Hauses in Edmonton. Wenn ich nicht dort bin oder Fagott spiele, gehe ich zusammen mit meiner Frau am liebsten in den Rocky Mountains wandern. Unsere Lieblingskletterpfade findet man in Banff (Alberta) oder im Jasper National Park.

Ihre Familie ist Ihnen also sehr wichtig. Haben Sie Vorbilder, die Sie in Ihrem Leben besonders inspirieren oder zu denen Sie aufschauen?
Ja, ich habe Vorbilder: Meine Eltern. Sie haben mich und meinen Bruder zu einer sehr schwierigen Zeit in Venezuela großgezogen. Wir waren nicht arm, aber meine Eltern mussten viel durchmachen, um es uns zu ermöglichen, unsere Träume zu verwirklichen. Meine Mutter und mein Vater hatten beide zwei Jobs und unterstützten uns, wo sie nur konnten. Meine Eltern leben immer noch in Venezuela, obwohl das Leben dort von Krisen und Kriminalität geprägt ist. Es ehrt mich zu wissen, dass sie jeden Tag stolz auf das sind, was ich und mein Bruder in unserem Leben erreicht haben.

Haben Sie noch weitere Pläne für Ihre Zukunft oder Träume, die Sie sich gerne einmal erfüllen würden?
Na, klar. Außer dem modernen Fagott spiele ich auch noch das Barockfagott, das in der Frequenz 415 gestimmt ist. Für die Zukunft wünsche ich mir noch mehr Projekte mit dem Barockfagott verwirklichen zu können. Einige davon sind auch schon in Planung. Zusätzlich spiele ich liebend gerne mit Orchestern auf dem ganzen Erdball und freue mich immer wieder, als Gastmusiker zu einem Orchester außerhalb Kanadas eingeladen zu werden. Ich mag es, die Freude an Musik weiterzugeben und sie mit jedem Menschen zu teilen, der mir zuhören will. Vielleicht gibt es in Zukunft ja noch einmal die Möglichkeit mit dem Blasorchester Niederschopfheim aufzutreten?

Lieber Herr Montes, Sie sind hier in Niederschopfheim immer herzlich willkommen. Danke, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Das Blasorchester freut sich schon sehr auf das gemeinsame Konzert mit Ihnen und einen unvergesslichen Abend.

Melanie Gritt

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letzte Aktualisierung: 07.02.2020
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Programmheft Jahreskonzert 2017